Die Grundidee
Jeden Monat bekommt das Kind sein Sackgeld. Es teilt das Geld selbst in drei Umschläge auf:
- 🟢 Grün = Taschengeld (zum Ausgeben)
- 🟡 Gelb = langfristiges Sparen (für einen grossen Wunsch)
- 🔴 Rot = Anlegen (Geld, das für dich arbeitet)
Geld hat drei Zeiträume: jetzt, bald und später, viel später. Genau dafür stehen die drei Farben.
Wie viel kommt in welchen Umschlag?
Das Kind teilt selbst auf. Die einzige Regel: Alle drei Umschläge müssen etwas bekommen. Wie viel in welchen kommt, ist frei. Das ist Absicht, so trifft das Kind selbst eine echte Entscheidung.
🟢 Grün: Taschengeld
- Daraus darf beliebig ausgegeben werden.
- Das Kind muss Papa Bescheid sagen, vorzugsweise vorher.
- Papa hat kein Veto. Er wird nur informiert.
- Das Kind bleibt beim Ausgeben völlig frei.
Sinn dahinter: Das Kind übt, frei zu entscheiden, und gleichzeitig, offen über Ausgaben zu reden. Reden ist Teil des Lernens, nicht Kontrolle.
🟡 Gelb: Wunsch-Sparen
- Auf den Umschlag wird ein Wunschziel geschrieben.
- Dazu ein Wunschplan: bis wann soll das Ziel erreicht sein?
- Der Zeitraum darf nicht zu lang sein. Ideal: 6 bis 9 Monate.
- Das Ziel wird mit Papa besprochen, bevor es entschieden wird.
- Geld darf nur beim Erreichen entnommen werden.
- Es darf dann nur für das aufgeschriebene Projekt ausgegeben werden.
- Ein neues Wunschziel wird spätestens bis zum nächsten Einlegen aufgeschrieben.
Sinn dahinter: Das Kind lernt, auf etwas hinzuarbeiten und durchzuhalten. Der Plan macht den Wunsch sichtbar, wie eine Treppe mit einer Stufe pro Monat.
🔴 Rot: Anlegen
- Hier kann nichts entnommen werden. Auch nicht vorübergehend.
- Jede volle Woche wird verzinst.
- Vorschlag: 1 % pro Woche, aber nur für ganze Wochen.
- Der Zins-Verrechnungstag wird vereinbart (z. B. immer Sonntag).
Sinn dahinter: Das Kind erlebt, wie Geld von selbst wächst, wenn man es liegen lässt. Das ist der erste Kontakt mit dem wichtigsten Finanzprinzip überhaupt.
So schnell wächst der rote Umschlag
1 % pro Woche klingt nach wenig, ist es aber nicht. Beispiel: Es kommen 12.– pro Monat in den roten Umschlag (das sind 20 % von 60.– Sackgeld). Was eingezahlt wird, wächst langsam und gerade. Der Stand dagegen beschleunigt immer mehr, weil auch die Zinsen wieder Zinsen verdienen.
| Nach … | Eingezahlt | Stand im Umschlag | Davon Zins |
|---|---|---|---|
| 1 Jahr | 144.– | 181.– | 37.– |
| 2 Jahre | 288.– | 473.– | 185.– |
| 3 Jahre | 432.– | 943.– | 511.– |
| 4 Jahre | 576.– | 1’701.– | 1’125.– |
| 5 Jahre | 720.– | 2’924.– | 2’204.– |
Nach 5 Jahren hat das Kind nur 720.– selbst eingelegt, aber im Umschlag liegen fast 2’900.–. Den grössten Teil hat der Zins gemacht, nicht die Einlage. Das ist der Zinseszins, und genau das soll das Kind mit eigenen Augen sehen.
Faustregel zum Staunen: Bei 1 % pro Woche verdoppelt sich liegendes Geld ungefähr alle anderthalb Jahre, ganz von allein.
Drei Varianten zum Vergleich (nach 5 Jahren)
So sieht es aus, je nachdem wie viel pro Monat in den roten Umschlag kommt, immer mit 1 % Wochenzins gegen das, was ohne Zins dagewesen wäre:
| Einlage / Monat | Selbst eingezahlt | Stand mit Zins | Davon nur Zins |
|---|---|---|---|
| 5.– | 300.– | 1’218.– | 918.– |
| 10.– | 600.– | 2’436.– | 1’836.– |
| 20.– | 1’200.– | 4’873.– | 3’673.– |
In allen drei Fällen ist der Zins-Anteil grösser als das selbst Eingelegte. Genau das ist die Lektion: Wer früh anfängt und nicht anrührt, bei dem macht die Zeit den grössten Teil der Arbeit.
(Die Zahlen sind gerundet und gehen von rund 4 verzinsten Wochen pro Monat aus. Wie viel am Ende zusammenkommt, hängt von der monatlichen Einlage ab, darum lohnt es sich, das einmal gemeinsam mit der echten Zahl durchzurechnen.)
Auszahlung und Zins
- Zins und Sackgeld werden immer am letzten Tag des Monats ausbezahlt.
- Ausbezahlt wird: Zins vom roten Umschlag + neues Sackgeld.
Die zwei eisernen Regeln
-
Sackgeld ist bedingungslos. Es darf nie zurückbehalten werden, auch nicht bei schlechten Noten, schlechtem Verhalten oder Ähnlichem. Sackgeld ist ein Lernmittel, kein Belohnungs- oder Strafsystem.
-
Der rote Umschlag wird nicht angerührt. Er wird bis zum 14. Lebensjahr gesammelt. Danach wird gemeinsam entschieden, was mit dem Geld passiert. Es gelten dann Bedingungen, zum Beispiel: nur Assets kaufen, keine Liabilities.
Über Geld reden: am Familientisch
In vielen Familien heisst es: «Über Geld redet man nicht.» Das ist falsch. Geld betrifft jeden. Bei uns ist Geld ein normales Thema am Abendtisch. Wichtig ist, dass alle Seiten vorkommen, nicht nur «sparen ist gut»:
- Woher kommt das Geld? Arbeit, Lohn, ein Geschäft, Zinsen.
- Wohin geht das Geld? Wohnen, Essen, Versicherungen, Steuern, Freizeit.
- Was kostet das Leben wirklich? Konkrete Beispiele: Miete, Krankenkasse, Strom, Handy.
- Was ist der Unterschied zwischen Brauchen und Wollen?
- Was sind Schulden? Warum kosten geliehene Dinge am Ende mehr.
- Was ist Zins und Zinseszins? Geld, das Geld verdient, in beide Richtungen.
- Was ist sparen, was ist anlegen? Und warum beides nicht dasselbe ist.
- Wie trifft man Entscheidungen mit begrenztem Geld? Man kann nicht alles haben, also wählt man.
- Was sind Assets und Liabilities? (siehe unten)
- Preise vergleichen, planen, Fehler machen dürfen. Auch ein Fehlkauf ist eine Lektion.
Ziel ist nicht, dem Kind Angst vor Geld zu machen, sondern Vertrautheit. Wer früh offen über Geld spricht, hat später weniger Stress damit.
Unterschied zwischen Preis und Wert
Preis und Wert sind nicht dasselbe. Der Preis ist, was auf dem Schild steht, was du zahlst. Der Wert ist, was dir die Sache wirklich bringt.
Preis ist, was du zahlst. Wert ist, was du bekommst.
Manchmal ist der Wert grösser als der Preis: ein gebrauchtes Velo für wenig Geld, das dich jahrelang zuverlässig fährt. Manchmal ist es umgekehrt: ein teures Spielzeug, das nach zwei Tagen in der Ecke liegt, hatte einen hohen Preis und am Ende fast keinen Wert.
Darum lohnt sich vor dem Kaufen eine zweite Frage, gleich nach «kann ich es mir leisten?»: Ist mir die Sache so viel wert, wie sie kostet? Wer das ein paar Mal übt, gibt sein Geld mit der Zeit für andere Dinge aus, oft für weniger, manchmal bewusst für mehr, aber selten aus Versehen.
Assets und Liabilities: auch für Kinder erklärt
Das ist das wichtigste Begriffspaar überhaupt. Einfach gesagt:
Ein Asset bringt dir Geld. Eine Liability kostet dich Geld.
Asset (= bringt Geld / behält Wert) Etwas, das Geld in deine Tasche hineinbringt oder seinen Wert behält. Es arbeitet für dich.
- Beispiele: Geld, das verzinst wird. Eine Aktie, die Dividende zahlt. Etwas, das du vermieten oder später teurer verkaufen kannst. Eine Fähigkeit, die du lernst.
Liability (= kostet Geld / verliert Wert) Etwas, das Geld aus deiner Tasche herausnimmt oder ständig an Wert verliert. Du arbeitest für es.
- Beispiele: Ein teures Spielzeug, das nach einem Monat langweilig ist. Ein Abo, das jeden Monat kostet. Geliehenes Geld, das du mit Zins zurückzahlen musst.
Der Merksatz fürs Kind:
«Frag dich vor dem Kaufen: Bringt mir das Geld, oder kostet es mich Geld?»
Das Spannende: Dasselbe Ding kann beides sein. Ein Velo ist eine Liability, wenn es nur herumsteht und rostet. Es ist fast ein Asset, wenn du damit zur Arbeit fährst und so Busgeld sparst. Es kommt darauf an, was es mit dem Geld macht.
Genau darum gilt für den roten Umschlag ab 14: nur Assets, keine Liabilities. Das angesparte Geld soll weiterarbeiten, nicht für etwas ausgegeben werden, das sofort wieder weg ist.